Coronavirus: Was ist die Reproduktionszahl?


In unserem cerascreen® Newsblog erklären wir Ihnen jede Woche einen Begriff oder eine wichtige Frage rund um das Coronavirus und die COVID-19-Pandemie. Heute geht es um die Reproduktionszahl.

Die Reproduktionszahl ging zuletzt immer wieder durch die Medien. Die Zahl, mit dem Buchstaben R abgekürzt wird, soll zeigen, wie gut wir im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie vorankommen. R ist einer der Faktoren, die Regierungen mit einbeziehen, um über Kontaktbeschränkungen und mögliche Lockerungen zu entscheiden.

Tipp: In unserem Gesundheitsportal finden Sie einen Artikel mit aktuellen und verständlichen Informationen rund um das Coronavirus und COVID-19.

Was sagt uns die Reproduktionszahl?

Die Reproduktionsrate R ist eine der Maßzahlen dafür, wie schnell sich ein Krankheitserreger in einer Bevölkerung ausbreitet. Das Robert-Koch-Institut betont allerdings immer wieder, dass sie nicht die einzige wichtige Maßzahl ist.

R beschreibt ganz einfach, wie viele weitere Menschen eine erkrankte Person im Schnitt ansteckt. Bei einer Reproduktionszahl von 1,0 steckt also jeder Mensch mit COVID-19 durchschnittlich eine weitere Person an. Eine R von 1,0 bedeutet damit nicht, dass das Coronavirus sich nicht mehr weiterverbreitet. Sondern nur, dass die Zahl der neuen Infektionen von Tag zu Tag ungefähr gleichbleibt [1].

Die Reproduktionszahl ist in den letzten Wochen gesunken, was sich den Forschern zufolge auf die Kontaktbeschränkungen und Absagen von Großveranstaltungen zurückführen lässt. Zu Beginn der Pandemie, Anfang März, lag R Schätzungen zufolge noch ungefähr bei 3.

Wie wird die Reproduktionszahl berechnet?

In Deutschland wird die aktuelle Reproduktionszahl vom Robert-Koch-Institut (RKI) berechnet. Die Zahl wird von den Experten mit statistischen Verfahren geschätzt, basierend darauf, wie viele neu gemeldete Fälle von COVID-19 zuletzt registriert wurden [1].

Wichtig: R ist eine Schätzung und kann von Tag zu Tag schwanken – darauf weist auch das RKI hin. Schaut man sich die Zahl aber über mehrere Tage hinweg an, lässt sie wichtige Aussagen zu über die Entwicklung der Pandemie.

Wie entwickelt sich die Reproduktionszahl?

Ende April schien R sich unter die wichtige Grenze von 1,0 zu bewegen. Das Robert-Koch-Institut gab am 27.04.2020 seine neue Schätzung bekannt: Die Reproduktionszahl schwanke zwischen 0,9 und 1,0. Für den Stand 3. Mai gab das RKI dann eine Reproduktionszahl von 0,74 bekannt [2], [3].

Warum soll die Reproduktionszahl unter 1,0 bleiben?

Damit sich das Virus nicht weiter ausbreitet, muss die Reproduktionszahl über längere Zeit unter 1,0 liegen. Deswegen haben viele Regierungen sich zum Ziel gesetzt, sie dauerhaft unter diesen Wert zu senken. Bei einem anhaltenden Wert von 1,2 oder 1,3 könnte es im Sommer schon so viele Infizierte geben, dass unser Gesundheitssystem überfordert wird [4].

Nicht alle Experten sind davon überzeugt, dass ein Wert von 1,0 tief genug ist. Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) erklärt in einem aktuellen Positionspapier ein Problem für dieses Szenario: Ohne Impfstoff wird es mit einem Wert von R knapp unter 1,0 noch Jahre dauern, bis wir die Pandemie überstanden haben, und es wird im Laufe dieser Zeit eine Menge Todesfälle geben.

Eine weitere Strategie wäre laut HZI, die Ansteckungsrate noch deutlich weiter zu senken. Würde R etwa gegen 0,2 gehen, wäre es möglich, das Coronavirus langsam „auszuhungern“. Dann ließe sich jeder neue Fall zurückverfolgen, die Infektionen könnten gesenkt werden, bis es so gut wie keine neuen Fälle mehr gibt [5].

Hatten Sie bereits COVID-19? Dieser Frage können Sie mit dem cerascreen® Coronavirus Antikörper Test nachgehen. Für den Test entnehmen Sie sich zuhause eine kleine Blutprobe und senden diese an ein Diagnostik-Fachlabor. Das Labor untersucht Ihr Blut mit dem etablierten ELISA-Verfahren auf Antikörper.

Wie können wir R beeinflussen?

Es ist ein einfaches Prinzip: Wenn Menschen mit COVID-19 nicht auf andere Personen treffen, können Sie das Virus auch nicht weitergeben. Wer ein positives Ergebnis in einem Coronavirus-Test bekommt, muss sich deswegen in häusliche Quarantäne begeben. Wenn Sie Symptome wie Husten und Fieber haben, sollten Sie zuhause bleiben und die Beschwerden telefonisch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen [6].

Die Schwierigkeit ist aber, dass viele Betroffene nur leichte oder gar keine Symptome haben. Den Virus weitergeben können sie trotzdem: Studien legen nahe, dass 44 Prozent der Ansteckungen passieren, bevor die Infizierten Beschwerden bemerkt haben [7].

Daher auch die Kontaktbeschränkungen, Veranstaltungsabsagen und Maskenpflichten. Die Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass unwissentlich Erkrankte das Virus nicht verbreiten. Das hat auch Früchte gezeigt. Die Reproduktionszahl und die Zahl der Neuinfektionen sanken durch die Maßnahmen nach und nach.

Quellen

[1] Robert-Koch-Institut, „Epidemiologisches Bulletin 17/2020“, 2020. [Online]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/17_20.pdf?__blob=publicationFile.

[2] Robert-Koch-Institut, „RKI - Coronavirus SARS-CoV-2 - Aktueller Lage-/Situationsbericht des RKI zu COVID-19“. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Gesamt.html (zugegriffen Apr. 28, 2020).

[3] M. V. Barbarossa u. a., „A first study on the impact of current and future control measures on the spread of COVID-19 in Germany“, medRxiv, S. 2020.04.08.20056630, Apr. 2020, doi: 10.1101/2020.04.08.20056630.

[4] Deutschlandfunk, „Ansteckung mit dem Coronavirus - ‚Reproduktionszahl hat eine gewisse Schwankungsbreite‘“, Deutschlandfunk. https://www.deutschlandfunk.de/ansteckung-mit-dem-coronavirus-reproduktionszahl-hat-eine.694.de.html?dram:article_id=475669 (zugegriffen Apr. 29, 2020).

[5] Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, „Helmholtz-Positionspapier zur epidemiologischen Situation“, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. https://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/news-detail/article/complete/helmholtz-positionspapier-zur-epidemiologischen-situation/ (zugegriffen Apr. 28, 2020).

[6] Robert-Koch-Institut, „Coronavirus SARS-CoV-2 - SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19)“. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html (zugegriffen März 31, 2020).

[7] X. He u. a., „Temporal dynamics in viral shedding and transmissibility of COVID-19“, medRxiv, S. 2020.03.15.20036707, März 2020, doi: 10.1101/2020.03.15.20036707.

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