Vitamin D für Baby und Kinder – Nutzen, Bedarf, Dosierung


Babys bekommen Vitamin-D-Präparate verordnet, um einem Vitamin-D-Mangel und damit der Knochenkrankheit Rachitis vorzubeugen. Ob eine Supplementierung ab dem 2. Geburtstag generell sinnvoll ist, ist noch umstritten.

In den ersten Monaten bekommen Babys Muttermilch oder spezielle Ersatznahrung und sind dadurch rundum mit Nährstoffen versorgt. Oder etwa nicht? Tatsächlich ist es nicht ganz so einfach. Vieles hängt beim Stillen etwa von der Ernährung der Mutter ab. Besonders einen Nährstoff kann nach dem aktuellen Stand der Forschung die Muttermilch in der Regel nicht ausreichend liefern: Vitamin D. Um das Sonnenvitamin in größeren Mengen herzustellen, brauchen auch Babykörper die UV-Strahlen der Sonne, vor denen Sie allerdings gleichzeitig ihre Haut dringend schützen müssen [1].

Lesen Sie in diesem Artikel, warum Vitamin D auch für Babys und Kinder schon absolut unerlässlich ist, welche Empfehlungen internationale Fachgesellschaften für Vitamin-D-Nahrungsergänzungsmittel geben und wie Sie feststellen, ob Sie oder Ihr Kind möglicherweise zu wenig Vitamin D im Körper hat.

Warum ist Vitamin D so wichtig für Baby & Kind?

Der menschliche Körper braucht vom ersten Tag an Vitamin D. Bei Babys spielt eine der Aufgaben des Sonnenvitamins eine besonders entscheidende Rolle: Es unterstützt unter anderem das gesunde Wachstum und schützt vor der Knochenerkrankung Rachitis [2].

Tipp: Lesen Sie alles rund um Vitamin D in unserem Gesundheitsartikel zum Thema Vitamin-D-Mangel.

Wie schützt Vitamin D vor Rachitis?

Ein Mangel an Vitamin D erhöht bei Kindern vor allem das Risiko einer Rachitis, auch Knochenerweichung genannt. Die Erkrankung äußert sich unter anderem durch verformte Knochen, Muskelschwäche und eine erhöhte Gefahr von Infekten.

Was Vitamin D damit zu tun hat? Es spielt eine wichtige Rolle für die Knochengesundheit. Das Vitamin hilft dabei, den Mineralstoff Calcium in die Knochen einzuarbeiten. Dadurch werden sie stabil. Fehlt es an Vitamin D oder kommt es zu einem Calciummangel, besteht deswegen ein erhöhtes Risiko von Knochenerkrankungen. Im höheren Alter ist das eher die Osteoporose, bei Kindern die Rachitis [3].

Wenn schon eine Rachitis besteht, wird sie auch mit Nahrungsergänzungsmitteln behandelt. Experten für Kindermedizin empfehlen, bei ernährungsbedingter Rachitis für mindestens drei Monate 2.000 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D und 500 IE Calcium zu verabreichen [4].

Wie viel Vitamin D brauchen Babys?

Der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ) zufolge sollten Babys ab kurz nach der Geburt 400 bis 500 IE Vitamin D am Tag über Präparate aufnehmen.

Diese Empfehlung gilt laut der DGKJ bis zum „zweiten erlebten Frühsommer“ des Kindes. Wie lange supplementiert werden soll, hängt also davon ab, zu welcher Jahreszeit das Baby geboren wurde. Kommt das Kind im Winter zur Welt, kann es nach eineinhalb Jahren im Sommer bereits über das Sonnenlicht Vitamin D produzieren [5].

Oder doch durch’s Stillen? Forscher untersuchen derzeit, ob Babys doch genug Vitamin D über die Muttermilch bekommen könnten, wenn die Mutter hochdosiertes Vitamin D zu sich nimmt. In einer Studie in den USA klappte das: Stillende Frauen nahmen eine tägliche Dosis von 4.000 bis 6.400 Internationalen Einheiten Vitamin D. In Österreich ist die Empfehlung aber nach wie vor: Babys bis 2 Jahre sollten selbst Vitamin-D-Präparate erhalten [6].

Warum brauchen Babys Vitamin-D-Präparate?

Babys haben noch eine sehr empfindliche Haut. Sie sollen nie der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Also: Im Sommer ab in den Schatten und die Haut mit Hut und Kleidung bedecken. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Gesundheitsartikel über Sonnenbrand und UV-Strahlung.

Auf der anderen Seite braucht auch der Körper der Kleinsten schon ausreichende Mengen Vitamin D, das nicht ohne Grund Sonnenvitamin genannt wird: Es wird produziert, wenn die UV-Strahlen der Sonne auf unsere Haut gelangen. 80 bis 90 Prozent unseres Vitamin-D-Bedarfs decken wir Menschen über die Sonneneinstrahlung.

In manchen Ländern ist es üblich, dass künstlicher Babynahrung Vitamin D zugesetzt wird. In Österreich ist das in der Regel nicht der Fall, hier sind zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel nötig, auch wenn nicht gestillt wird.

Vitamin D für Kinder ab 2 Jahren

Für Kinder ab 2 Jahren ist die Lage weniger klar: Die DGKJ empfiehlt eine Aufnahme von 600 bis 800 IE am Tag – aber einschließlich des Vitamin D, das über Ernährung und Sonne aufgenommen wird [5].

Wie bekommen Kinder genug Vitamin D?

Wie kommen Kinder an diese 600 bis 800 IE Vitamin D? Kinderärzten zufolge sollten Eltern dafür sorgen, dass Kinder sich regelmäßig im Freien bewegen. Die Empfehlungen reichen hier von einer Stunde am Tag bis zu mindestens zweimal die Woche, jeweils von April bis September. So soll der Körper der Kinder Vitamin D über die UV-Einstrahlung produzieren können [7].

Auch über die Ernährung können Sie als Elternteil die Vitamin-D-Versorgung Ihrer Kinder unterstützen. Etwas knifflig wird es aber, wenn Ihre Kleinen keinen Fisch mögen. Nach den Empfehlungen der DGKJ sollten Kinder einmal die Woche Vitamin-D-reichen Seefisch wie Lachs, Hering und Makrele essen [5].

Fettiger Seefisch und Lebertran gelten als die einzigen Lebensmittel, die nennenswerte Mengen Vitamin D enthalten. Geringere Mengen finden sich etwa in Milch, Butter, Ei und Avocado.

Brauchen Kinder ab 2 Jahren Vitamin-D-Präparate?

Eine Supplementierung empfehlen die deutschsprachigen Fachgesellschaften für Kinder ab 2 Jahren nur, wenn sie nicht ausreichend Sonnenlicht bekommen oder zu einer der Risikogruppen für einen Mangel gehören. Zu den Risikogruppen finden Sie weiter unten im Text noch genauere Informationen.

Nebenwirkungen von Vitamin-D-Präparaten sind allerdings derzeit nicht dokumentiert – Supplementierung mit 600 bis 800 IE am Tag sollte für Kinder ab 2 Jahren sicher sein [5].

Gesundheitsbehörden in anderen Ländern geben teilweise minimal andere Empfehlungen. Der britische National Health Service (NHS) etwa rät zu einer Vitamin-D-Supplementierung von 400 IE am Tag, auch für Kinder bis zum 4. Lebensjahr [8].

Wichtig: Auch im Säuglingsalter bleibt die Haut weiter sehr empfindlich gegenüber den Sonnenstrahlen. Kinder sollten sich zwischen April und Oktober nicht ohne Schutzmaßnahmen in der Sonne aufhalten.

Wann sollte man Vitamin D testen?

Amerikanische und deutschsprachige Fachgesellschaften empfehlen kein regelmäßiges Screening von Vitamin D bei gesunden Kindern ab 2 Jahren.

Wenn Sie dennoch den Vitamin-D-Status Ihres Kindes vorsichtshalber überprüfen wollen, sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt. Die Ärzte können im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen den 25-OH-D3-Wert des Kindes im Blut messen und so die Versorgung mit Vitamin D überprüfen.

Risikogruppen

Wenn Sie oder Ihr Kind zu einer der Risikogruppen für einen Vitamin-D-Mangel gehören, dann wird eine regelmäßige Kontrolle klar empfohlen. Zu den Risikogruppen gehören [5]:

  • Kinder mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
  • Kinder mit chronischen Leber- und Nierenerkrankungen
  • Kinder, die dauerhaft Medikamente einnehmen, die den Vitamin-D- und Calcium-Stoffwechsel beeinflussen (zum Beispiel Epilepise-Medikamente, Mittel gegen Viren und Pilze und hochdosierte Glukokortikoide, die etwa bei Asthma zum Einsatz kommen)
  • Kinder, die nur sehr wenig ans Sonnenlicht kommen, zum Beispiel wegen chronischer Krankheiten oder Behinderungen
  • Kinder mit einer dunkleren Hautfarbe, da bei ihnen mehr Sonneneinstrahlung nötig ist, um dieselbe Menge Vitamin D zu erzeugen
  • Vegetarisch und vegan ernährte Kinder, da Vitamin-D-Quellen aus der Ernährung vor allem tierische Lebensmittel wie Käse, Ei und Fisch sind

Wie misst man Vitamin D?

Vitamin D lässt sich im Blut feststellen. Bei Babys und kleinen Kindern nehmen Ärzte dazu in der Regel Blutproben aus der Fingerkuppe.

Im Labor wird dann das sogenannte 25-Hydroxyvitamin D3 gemessen, das auch als 25-OH-D3 bezeichnet wird. Es ist die Speicherform des Vitamin D. Am Spiegel des 25-OH-D3 lässt sich eine mögliche Unterversorgung gut ablesen lässt. Als Zielbereich gelten laut den Fachgesellschaften bei Erwachsenen wie bei Kindern 20 bis 100 Nanogramm pro Milliliter Blut [5]. Das Robert Koch Institut sieht ab einem Wert von 30 Nanogramm pro Milliliter keinen Zusatznutzen mehr, was jedoch umstritten ist. Einige Experten empfehlen höhere Zielwerte, um von den präventiven Wirkungen des Vitamins profitieren zu können [9].

Vitamin-D-Tests für Erwachsene

Tipp: Wollen Sie Ihren eigenen Vitamin-D-Spiegel bestimmen, können Sie das auch von zuhause aus tun, mit dem cerascreen® Vitamin D Test. Mit dem Testkit entnehmen Sie sich selbst wenige Tropfen Blut und schicken die Probe an ein Diagnostik-Fachlabor. Das Labor analysiert den Wert des 25-OH-D (Vitamin D3), das Ergebnis erhalten Sie wenige Tage nach dem Einsenden über das Online-Benutzerkonto oder die mein cerascreen® App.

Vitamin D für das Baby: Tropfen oder Tabletten?

Die zwei typischen Formen, in denen Vitamin-D-Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden, sind Tropfen und Tabletten.

Tabletten lassen sich genauerer dosieren als Tropfen. Die deutschen Fachgesellschaften DJKG und DGE empfehlen deswegen Tabletten: Bei Kindern, für die noch kleinere Dosen von Vitamin D empfohlen werden, würden sie als die sicherere Variante gelten [10].

Tropfen sind in der Regel etwas einfacher zu sich zu nehmen und können unter den Brei oder andere Mahlzeiten gemischt werden. Einige internationale Fachgesellschaften empfehlen deswegen auch für Babys und Kinder Vitamin-D-Tropfen. Andere, wie die DGE, raten von Tropfen ab, da es schwer ist, sie präzise zu dosieren. Das liegt unter anderem daran, dass Tröpfchen unterschiedlich groß ausfallen, zum Beispiel auch abhängig von der Raumtemperatur [10].

Wenn Sie Präparate für Kinder anschaffen, sollten die Produkte sich auf jeden Fall kleinteilig genug dosieren lassen. Viele Vitamin-D-Präparate enthalten 1.000 IE pro Tropfen. Damit überschreitet ein Tropfen die für Babys empfohlene Menge bereits deutlich.

Quellenangaben

[1] C. L. Wagner und F. R. Greer, „Prevention of Rickets and Vitamin D Deficiency in Infants, Children, and Adolescents“, Pediatrics, Bd. 122, Nr. 5, S. 1142–1152, Nov. 2008, doi: 10.1542/peds.2008-1862.

[2] E. A. Yu, S. L. Huey, J. P. Peña‐Rosas, und S. Mehta, „The effects of oral vitamin D supplementation on linear growth and non‐communicable diseases among infants and children younger than five years of age“, Cochrane Database of Systematic Reviews, Nr. 11, 2017, doi: 10.1002/14651858.CD012875.

[3] World Health Organization und Food and Agriculture Organization of the United Nations, Hrsg., Vitamin and mineral requirements in human nutrition, 2nd ed. Geneva : Rome: World Health Organization ; FAO, 2004.

[4] C. F. Munns u. a., „Global Consensus Recommendations on Prevention and Management of Nutritional Rickets“, J Clin Endocrinol Metab, Bd. 101, Nr. 2, S. 394–415, Feb. 2016, doi: 10.1210/jc.2015-2175.

[5] Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin u. a., „Vitamin-D-Supplementierung jenseits des zweiten Lebensjahres: Gemeinsame Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ e. V.) und der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und Diabetologie (DGKED e. V.)“, Monatsschr Kinderheilkd, Bd. 166, Nr. 9, S. 814–822, Sep. 2018, doi: 10.1007/s00112-018-0502-6.

[6] P. J. Umaretiya, S. S. Oberhelman, E. W. Cozine, J. A. Maxson, S. M. Quigg, und T. D. Thacher, „Maternal Preferences for Vitamin D Supplementation in Breastfed Infants“, Ann Fam Med, Bd. 15, Nr. 1, S. 68–70, Jan. 2017, doi: 10.1370/afm.2016.

[7] M. Wabitsch, B. Koletzko, und A. Moß, „Vitamin-D-Versorgung im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter: Kurzfassung der Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Endokrinologie (APE)“, Monatsschr Kinderheilkd, Bd. 159, Nr. 8, S. 766–774, Aug. 2011, doi: 10.1007/s00112-011-2407-5.

[8] „Vitamins for children“, nhs.uk, 21-Dez-2017. [Online]. Verfügbar unter: https://www.nhs.uk/conditions/pregnancy-and-baby/vitamins-for-children/. [Zugegriffen: 26-Feb-2020].

[9] „RKI - Gesundheit A-Z - Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zu Vitamin D“. [Online]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Vitamin_D/Vitamin_D_FAQ-Liste.html. [Zugegriffen: 26-Feb-2020].

[10] Netzwerk Gesund ins Leben, „Warum brauchen Säuglinge zusätzlich Vitamin D? Nachgefragt bei Gesund ins Leben“. [Online]. Verfügbar unter: https://www.gesund-ins-leben.de/inhalt/warum-brauchen-saeuglinge-zusaetzlich-vitamin-d-29590.html. [Zugegriffen: 25-Feb-2020].

Inhalt